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Holz

von Jochen Schilk , erschienen in 19/2013

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Auf dem Holzweg

In der Reihe »Stoffgeschichten« des Oekom-Verlags sind bislang unter anderen Bände über Aluminium, Kaffee, Kakao, Staub und CO2 erschienen. »Milch« wurde zuletzt an dieser Stelle rezensiert, und David Montgomerys »Dreck« über den Humus hat Oya schon vielfach lobend erwähnt. Die seit Oktober vorliegende Stoffgeschichte »Holz – Wie ein Naturstoff Geschichte schreibt« des Umwelt- und Technik-Historikers Joachim Radkau ist eine schön gemachte, überarbeitete und erweiterte Wiederauflage seines lange vergriffenen Buchs von 1987.
Dieses Geschichtsbuch fasziniert mich, und das ist nicht bloß dahergesagt. Klar, ich mag Holz, mag Bäume, Wälder – wem gefällt das nicht? –, aber ich liebe es auch, Einblicke in das tägliche Leben früherer Epochen zu bekommen, ich begeistere mich für alte Handwerkstechniken und erkenne die Dringlichkeit der Ressourcenfrage. Und bei dem so wichtigen Stoff Holz kommt das eben alles zusammen.
Zwei erklärte Ziele verfolgt das Buch: Zum einen geht es um technische Entwicklungen in der Be- und Verarbeitung von Holz. Seine große Relevanz erhält das Werk aber im Bemühen, »am Beispiel der Material­gebundenheit der technischen Entwicklung die Umwelt- und Ressourcengebundenheit der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte deutlich zu machen« (wie es hier ausnahmsweise recht akademisch heißt).
Radkau glaubt, in der Hinwendung zum Holz nichts weniger als so etwas wie einen »Geheimschlüssel zur Weltgeschichte« gefunden zu haben; schließlich war Holz über Jahrtausende der allerwichtigste Brenn-, Bau- und Werkstoff. Das politische Machtgefüge habe sich zeitweise nach den jeweils größten Waldreichtümern verschoben, und am Holz hänge eine ganze Kultur der Arbeit, von der Altsteinzeit bis in die Moderne, wo technische Entwicklungen abermals neue, nützliche Holzeigenschaften aufdecken.
Tatsächlich verdeutlicht die Kulturgeschichte des Holzes, warum die Geschichtsschreibung über die Entstehung von Industrialisierung und modernem Kapitalismus ohne den Blick auf das davor ziemlich »hölzerne Zeitalter« und dessen Umgang mit seiner wichtigsten Ressource unvollständig und eigentlich kaum verständlich ist. Die große Holzverknappung zwischen dem 16. und dem 19. Jahrhundert wurde durch die Einführung fossiler Brennstoffe  aufgefangen. – Doch was tun wir heute, wo das Öl zu Ende geht und adäquater Ersatz für den immensen Bedarf nicht in Sicht ist?

Holz
Wie ein Naturstoff Geschichte schreibt
Joachim Radkau, Oekom 2012,
364 Seiten
ISBN 978-3865813213
22,95 Euro

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