Oya braucht Mithilfe!

Alle Artikel der gedruckten Oya-Ausgaben sind auf dieser Website kostenlos zu lesen. Dahinter steckt viel Arbeit. Bitte helfen Sie mit, dass wir alle Texte weiterhin frei zur Verfügung stellen können:

• Nein, danke

• Ja, ich unterstütze Oya

Bitte wählen Sie hier den Betrag, mit dem Sie Oya unterstützen möchten:



Falls Sie kein PayPal-Konto haben, können Sie natürlich
auch direkt unsere Bankverbindung verwenden:

IBAN: DE96 4306 0967 1112 9897 00 • BIC: GENODEM1GLS
Verwendungszweck: Oya-Online Beitrag

Haben Bäume Rechte?

von Matthias Fersterer , erschienen in 25/2014

Bild

1972 veröffentlichte der Jurist Christopher D. Stone sein wegweisendes Plädoyer »Should Trees Have Standing?«, das nun als »Haben Bäume Rechte?« bei ­thinkOya neu aufgelegt wurde. Auslöser für seinen  innovativen Beitrag zum Umweltrecht, der auch vier Jahrzehnte später nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat, waren die Pläne des Walt-Disney-Konzerns, im kalifornischen Mineral King Valley ein Skigebiet zu errichten. Die Klage der Naturschutzorganisation Sierra Club wurde abgewiesen, weil dessen Mitglieder nicht unmittelbar in ihren Rechten geschädigt worden wären. Dies brachte den jungen Juradozenten auf die so naheliegende wie unorthodoxe Idee, jene Partei, die dem Vorhaben direkt und schutzlos ausgesetzt war, als Klägerin vorzuschlagen: Das Tal selbst mit seinen Hängen, Senken, Flüssen, Felsen und Bäumen. Dass Landschaften und Bäume weder die menschliche Sprache beherrschen noch vor Gericht erscheinen können, war für Stone kein Hindernis. Schließlich können abstrakte Gebilde wie Unternehmen dies ebensowenig, dennoch genießen sie als »juristische Personen« unveräußerbare Rechte. Warum also nicht auch natürliche Organismen?

Praktisch angewendet, hätte dies Auswirkungen von enormer Tragweite. Man stelle sich vor: Erdölkonzerne würden im Namen der Weltmeere verklagt, agrarindustriell verseuchte Böden forderten Wiedergutmachung, das Weltklima zöge gegen CO2-intensive Industrien vor Gericht. – Absurd? Gewiss, nach extraktivistischer Verwertungs­logik wäre damit kein Staat zu machen. Jedoch geht es hier um weit mehr als kurzfristigen Profit einerseits und spitzfindige Fragen politischer oder juristischer Korrektheit andererseits: In Zeiten verschärften Ökozids und Artensterbens wird drastisch sichtbar, dass nichts ohne etwas anderes überleben kann. Als reife Menschengemeinschaft stünde es uns nicht nur gut zu Gesicht, sondern es wäre auch in unserem eigenen Interesse, wenn wir den Entrechteten zu ihrem guten Recht verhälfen.

 

Haben Bäume Rechte?
Christopher D. Stone
thinkOya, 2014
128 Seiten
ISBN 978-3927369818
10,00 Euro

Zurück zur Startseite

Hintergrundinfos zu Oya auf Facebook

Oya gemeinsam ermöglichen!