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Zivilisation in der Sackgasse

von Sylvia Buttler , erschienen in 21/2013

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Kaum Visionen für die Sackgasse

Der Untertitel dieses Buchs ruft sofort Assoziationen zur »artgerechten Tierhaltung« hervor – und damit auch zu ihrem Gegenteil, der industriellen Massentierhaltung. Den Inhalt bringt das tre end auf den Punkt, prangert der Autor doch eine Vielzahl von Missständen unserer heutigen Lebensweise an, die er mit jenen der gequälten Tiere vergleicht.

Ausgehend von der Beobachtung, dass heutzuta ge nahezu jeder Vierte psychisch krank ist – das heißt, von Depression, Burnout oder stressbedingten Beschwerden geplagt –, untersucht Wuketits die Ursachen dieser Entwicklung und beginnt dabei buchstäblich in der Steinzeit. Dieser Teil, der bis auf die Lebensweise des frühen Homo sapiens zurückgreift, kommt im Wesentlichen zu dem Schluss, dass der Mensch ein Kleingruppenwesen und ein Wesen der Langsamkeit sei. Große Gruppen, Globalisierung, die immer schneller werdende Arbeitswelt und E-Mails überforderten ihn.

Im darau olgenden Hauptteil des Buchs stellt der Autor dann alle möglichen beklagenswerten Entwicklungen, die unsere Zivilisation hervorgebracht hat, an den Pranger. Er kritisiert die Arbeitsbedingungen, die Machenschaften der Konzerne, die Werbeunterbrechungen im Fernsehen, die städtebauliche Entwicklung und den ständigen Konsumzwang. Vieles davon ist nachvollziehbar, jedoch ziemlich willkürlich aneinandergereiht. Auf mich wirkt das beim Lesen wie ein langes Lamento über den Zustand der Welt: Da hat sich jemand von der Seele geschrieben, was alles schiefgeht. Die vielen Einzelbeispiele blähen den Text dazu unnötig auf, zumal sie dem Leser ohnehin bekannt sind. Auch lässt der Autor Konsequenz im eigenen Handeln vermissen. So beklagt er die Existenz von All-Inclusive-Hotels in Ägypten und spricht den dorthin Reisenden ihre Mündigkeit ab, wohnt jedoch selbst dort. Oder er beschwert sich über den hohen Preis eines Würstchens am Bahnhof, zwei Absätze, nachdem er die Massenhaltung von Schweinen angeklagt hat. Warum verzichtet er nicht auf das Würstchen? Daneben vermisse ich auch di erenzierte Betrachtungen über die Vorteile einiger Entwicklungen. Hier wird für meinen Geschmack zuviel Schwarzmalerei betrieben.

Der dritte Buchteil enttäuscht dann restlos. Die Gegenstrategien, »die kleinen, stillen Revolten«, sollen also darin bestehen, während der Werbepause im TV in einem Lexikon nachzuschlagen? Einkaufen im kleinen Laden um die Ecke statt auf der grünen Wiese? – Diese Ideen hatten schon andere!

 

Zivilisation in der Sackgasse
Plädoyer für eine artgerechte
Menschenhaltung.
Franz M. Wuketits
280 Seiten
Mankau Verlag, 2012
ISBN 978-3863740542
19,95 Euro

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