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Jungbauer ohne Land

Malte Cegiolka besuchte Janusz Hradetzky, ­einen der Akteure im »Bündnis Junge Landwirtschaft«, das einen Wandel der Wirtschafts­weisen und der Agrarpolitik bewirken möchte.

von Malte Cegiolka , erschienen in 26/2014

Mit seinem Engagement für das »Bündnis Junge Landwirtschaft« stellt er sich einer bedrohlichen Entwicklung entgegen: Dem 27-jährigen Sohn zweier deutscher Auswanderer, die in West­polen einen eigenen Hof aufgebaut haben, war schon immer klar, dass er in die Fußstapfen seiner Eltern treten würde.

Bild

© Foto: Malte Cegiolka

Während seines Landwirtschaftsstudiums in Stettin entschied sich Janusz für ein »Auslandssemester« in dem Land, das er einst als Zweijähriger verlassen hatte. Die Fachhochschule Eberswalde gefiel ihm wegen ihrer expliziten Ausrichtung auf den ökologischen Landbau. Kurzentschlossen ist er geblieben – und beendet bald seinen Masterstudiengang, bei dem er auch seine Frau Anja kennengelernt hat. Die beiden sind jüngst Eltern geworden. Nach dem Abschluss wollen sie einen Milchviehbetrieb aufbauen, der so naturnah wie möglich gestaltet sein soll. Die Kälber sollen bei ihren Müttern aufwachsen und die Tiere fast das ganze Jahr draußen auf der Weide verbringen. Das Konzept ähnelt dem von Janusz’ Elternhof, der aber stärker auf die Fleischnutzung der Tiere ausgerichtet war. Janusz ist zwar kein Gegner von Fleischgenuss, möchte aber die Schlachtung nicht in den Mittelpunkt stellen.
Bei gemeinsamen Saisonarbeiten auf unterschiedlichen Selbstversorgerhöfen haben sich Janusz und Anja schon im gemeinsamen Arbeiten erprobt. Dabei konnten sie eine Menge an hilfreichen Erfahrungen sammeln. In Kanada erlernte Anja Fähigkeiten der »Low Stress Stockmanship« (stressarme Herdenführung) – eine Form der Tierhaltung, die auf die Bedürfnissignale des Rinds eingeht, um ihm ein Wohlfühlen zu ermöglichen.
Eine bittere Erkenntnis aus ihren Saisonarbeiten war für Janusz und Anja, dass sich ein Betrieb unter den von ihnen angestrebten sanften Bedingungen kaum wirtschaftlich rechnet. Da sie aber an ihren Prinzipien einer artgerechten Haltung nicht rütteln wollen, bildet sich Janusz derzeit zum Käser weiter, denn Käserei kann die Wertschöpfung pro Fläche erhöhen. Mit Ehrgeiz und klarem Gemüt geht er seinen Weg: »Ich werde gut 25 Jahre brauchen, um einen Hof aufzubauen, der so funktioniert, dass er an jemand anderen übergeben werden kann. Das will ich schaffen.«
Wie viele Jungbauern werden Anja und Janusz vor der Hürde des vom Großkapital geprägten Landvergabesystems stehen. »Es ist fast unmöglich, einen Hof aus dem Nichts aufzubauen«, klagt Janusz. Die Explosion der Bodenpreise und die Verwerfungen im ländlichen Raum, die damit einhergehen, lassen ihn zornig werden. Seine sonst so sanfte Stimme droht zu überschlagen: »Ich kann da gar nicht mehr zusehen!«
Diese tiefe Betroffenheit und Empörung haben ihn und mehrere Kollegen auf einer Tagung der freien Demeter-Ausbildung vor gut einem Jahr zur Gründung des Bündnisses Junge Landwirtschaft geführt, dessen Kernteam heute 15 Aktive umfasst.
»Ursprünglich war es das politische Ziel nach der Wende, dass viele Neugründer auf die Flächen der neuen Bundesländer kommen. Das ist komplett verfehlt worden«, ärgert sich Janusz. Mit Demos vor dem Sitz der BVVG (Bodenverwertungs- und -verwaltungs GmbH) im Rahmen ihrer Kampagne »Landgrabbing in Ostdeutschland« weisen sie auf die unfairen Regelungen zur Vergabe von Landesflächen und die daraus resultierenden Fehlentwicklungen hin. Dazu beteiligt sich die Gruppe an anderen Kampagnen, die eine lebensfreundliche Landwirtschaft anstreben, sucht den direkten Dialog mit Agrarministern und leistet Pressearbeit. Janusz freut sich über das viele positive Feedback von außen. Mehr bäuerliche Landwirtschaft scheint ein breiter Wunsch unter den Bürgern zu sein.
Lange hält er inne, um einen Appell zu formulieren, der ihm am Herzen liegt. Er wünscht sich, dass die Menschen – seien sie Flächeneigentümer oder Bezieher von Lebensmitteln – selbst Verantwortung dafür übernehmen, dass das Land nicht von profit­orien­tierten Agrarfirmen ausgeschlachtet wird. Auch in Zukunft soll es lokale Bauern geben, die einen in der Not mit dem Trecker aus dem Graben ziehen. • 

www.stopp-landgrabbing.de

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