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Warum stehst du morgens auf?

Für Joshua Conens wurde Berufsfindung zum Lebensthema.

erschienen in 25/2014

Nach wenigstens neun, oftmals dreizehn Jahren Schule stehen junge Leute an dem Punkt, selbst entscheiden zu können oder zu müssen, was sie in Zukunft tun wollen: Welcher Beruf und welcher Weg dorthin könnte passen?

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© Foto: caroline-schwarz.com

»Berufswege« ist ein Thema, das uns selbst anging und inspirierte. Daran arbeiten wir, eine Gruppe von überwiegend jungen Menschen, seit 2009. Wir erforschen, wie Jugendliche und junge Erwachsene mit der Frage nach ihren Zukunftswegen umgehen. Mit unserer Arbeit wollen wir sie dabei unterstützen, den für sie selbst stimmigen Pfad herauszufinden. Dafür entstand 2010 der 96-minütige Dokumentarfilm »Berufswege«, in dem wir drei Menschen porträtieren, die ihrer eigenen Stimme folgen und ihren eigenen Weg suchen und gehen. In fast 40 Veranstaltungen bundesweit kamen wir anschließend mit jungen Menschen über diesen Film ins Gespräch. Während zwei Tagungen, die wir 2011 und 2012 organisierten, wurden die Auseinandersetzungen auch für uns und unsere eigene Wegfindung besonders intensiv.
Weil sich die Filmporträts in ihrer Authentizität als so wirkungsvoll erwiesen haben, erstellen wir derzeit weitere Filme, die ab Sommer 2014 als Video-Podcast im Internet veröffentlicht werden. Zudem gedeiht die Idee eines »Arbeitsamts der Zukunft«. Auf dieser Webseite sollen Interessierte nach Aufgaben oder nach Menschen suchen können.
 

Sich selbst treu bleiben
Der Ausgangspunkt für uns ist das existenzielle Ringen um das, worum es im Leben wirklich geht – und daher auch um das, was Leben beinhaltet. So wird die Sinnfrage zur Mutter der Berufsfindung, und das ansonsten in der Gesellschaft als Normalität geltende Kriterium für die Berufswahl kann sich verkehren: Wesentlich ist dann nicht mehr die Notwendigkeit, zu arbeiten, um Geld zu verdienen. Stattdessen wird der Wunsch, etwas in der Welt bewegen zu wollen, zum Grund­impuls. Die persönlichen Lebensaufgaben werden über Berufe erkennbar. Dann geht es nicht mehr in erster Linie darum, zu überlegen, welches Studium oder welche Ausbildung vielleicht passt, sondern die Frage lautet: Was will ich tun in der Welt? Was ist meine Aufgabe, meine Berufung?
Ein Beruf entsteht für mich dort, wo meine individuelle Aufgabe mit den Chancen unserer Zeit zusammenkommt – in einer konkreten Handlung. Mit dieser Sichtweise kann ich das Leben nicht mehr in Schule, Ausbildung, Arbeit und Rente unterteilen. Ich erlebe das Leben als einen fortwährenden Gestaltungsprozess, in dem jeder Mensch gefordert ist, seine Gegenwart und zugleich die Zukunft zu realisieren. Ist nicht genau dies der Kernimpuls der Jugend – der viel zu oft erstickt wird? Diesen Impuls wieder ins Bewusstsein zu bringen, ist unser Ziel. Zur größten Aufgabe des »Erwachsenwerdens« gehört aus meiner Sicht, sich selbst treu zu bleiben.
 

Du musst »etwas« werden!
Wir beobachten immer wieder, dass die meisten jungen Menschen nicht genau wissen, was sie tun wollen, aber zugleich einen starken Druck spüren, irgendwie auf dem Arbeitsmarkt Fuß fassen zu müssen. In Verbindung mit einem schier unendlichen Angebot an Möglichkeiten verursacht dies große Ratlosigkeit. Auch uns vom Projekt »Berufswege« wurde über viele Jahre eingetrichtert, man müsse unter allen Umständen sein Überleben durch Geldverdienen sichern. Verhindern diese Scheuklappen nicht viel zu oft sämtliche anderen Impulse und Ideen?
So verwundert es nicht, dass wir in unseren vielen Gesprächen mit anderen Jugendlichen und jungen Erwachsenen in erster Linie den alten und klassischen Bildern begegnen: Ein Beruf ist das, womit man sein Geld verdient, was man sein Leben lang tut und was daher möglichst viel Spaß machen sollte. Ziel ist es, durch ein »eigenes« Einkommen auf eigenen Beinen zu stehen und, wenn es soweit ist, eine Familie ernähren zu können.
Wir treffen aber auch immer wieder auf junge Menschen, denen der klassische Weg zum Berufseinstieg völlig absurd und weit weg von dem erscheint, was sie selbst als notwendig erleben. Immer mehr Jugendliche und junge Erwachsene nehmen sich für ihre Suche Zeit und gestalten sie mit dem Ziel, selbstbestimmt zentralen Fragen nachzugehen: Wer bin ich, und wohin will die Welt? Auf der Suche nach einer eigenen Entscheidung versuchen sie, sich selbst zu reflektieren und auf die innere Stimme zu hören, die ihnen im richtigen Moment signalisiert, was sinnvoll ist.
Ohne eine Beratungsagentur sein zu wollen, stehen wir als Berufswege-Team für Fragen rund um die Berufsfindung als Gesprächspartner zur Verfügung. Wir freuen uns über Menschen, die sich mit uns austauschen möchten! • 

www.berufswege.com

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