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Was Gemeinschaften für die Gesellschaft leisten

Oya-Redakteur Dieter Halbach sprach mit Gesa Maschkowski, Dominik Reusser und ­Steffen Emrich über Ziele und ­praktische ­Auswirkungen ihrer Gemeinschaftsforschung.

von Dieter Halbach , Dominik Reusser , Gesa Maschkowski , Steffen Emrich , erschienen in 25/2014

Dieter Halbach Heute wollen wir über gemeinschaftliche Initiativen in Zeiten des »Großen Wandels« sprechen. Ich habe zwei Zitate mitgebracht, um unseren Denkraum zu eröffnen. Das erste stammt vom Dalai Lama: »Weil wir alle gemeinsam auf diesem kleinen Planeten Erde wohnen, müssen wir lernen, achtsam miteinander und mit der Natur zu leben. Das ist kein Traum, sondern eine Notwendigkeit.«
Das zweite ist von Martin Luther King, der sagte: »Wir haben gelernt, wie die Vögel zu fliegen und wie die Fische zu schwimmen. Aber wir haben verlernt, wie Brüder und Schwestern zusammenzuleben.«
Was bedeutet das in eurem Leben, wo erlebt ihr Gemeinsames und Trennendes?
Dominik Reusser Das resoniert auf verschiedenen Ebenen – ganz persönlich, denn das Thema »Gemeinschaft« bewegt mich schon lange. Ich habe auch versucht, in einer Gemeinschaft zu leben, und habe gemerkt, dass ich dabei meinen Ansprüchen nicht gerecht werde.
Bei den Forschungsthemen, die ich bearbeite, weckt das Bild »gemeinsam auf einem kleinen Planeten wohnen« die Assoziation zu den Grenzen unseres Planeten. Ich arbeite am Potsdam-Institut für Klima­folgenforschung an einem Forschungsprojekt, das sich TESS (Towards European Societal Sustainability) nennt – ein von der EU gefördertes Projekt, in dem wir untersuchen wollen, was gemeinschaftliche Initiativen zur Nachhaltigkeit beitragen können.
Steffen Emrich Am stärksten hat mich die Aufgabe »lernen, achtsam zu leben« angesprochen. Ich lebe in der Lebensgemeinschaft »gASTWERKe« mit rund 40 Menschen und erfahre dort, wie essenziell Achtsamkeit im Zusammenleben ist. Ich meine damit, sowohl das große Ganze zu sehen, als auch sich als Teil davon zu erleben sowohl im Sozialen als auch im Umgang mit Ressourcen.
Wenn es heißt, »wie Brüder und Schwestern zusammenzuleben«, ist da der Bezug zur Familie – da ist diese Liebe zueinander und auch die Verantwortungsübernahme füreinander. Sowohl in der Familie als auch in der Gemeinschaft muss ich bestimmte Qualitäten mitbringen, um gut mit anderen leben zu können.
Gesa Maschkowski Meine persönliche Frage in diesem Zusammenhang ist: Wie können wir dieses Gespür entwickeln, dass wir hier zusammen auf einer Welt sind? In unserer Gesellschaft fühlen sich die Menschen voneinander unabhängig – je mehr Geld sie haben, um so mehr. Das Bewusstsein »Wir brauchen einander!« ist nicht präsent.

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© Foto: Ines Lindenau

DH Meinst du mit »nicht präsent« den
öffentlichen Diskurs?
GM Ja, auch. Ich war gerade auf einer großen Konferenz zu nachhaltigem Konsum mit vielen prominenten Rednern. Im Prinzip kamen in den Vorträgen nur drei Akteure vor: erstens der Staat, zweitens die Wirtschaft und drittens der Konsument als Individuum. Dass die Innovation aus Gruppen kommt, ob es um Carsharing geht, um solidarische Landwirtschaft oder um Ökodörfer – das existierte in der Diskussion praktisch nicht.
DR Je nachdem, in welchen Bereich der Wissenschaft man schaut, ist das unterschiedlich. In der Transition-Forschung wird sehr stark thematisiert, dass es diese kleinen Gruppen gibt, in denen neue Wege ausprobiert werden.
SE Ich nehme aus dem media­len Bereich ein großes Interesse wahr. Jede Gemeinschaft, die ein bisschen größer ist, kennt das sicherlich, dass Presse, Funk und Fernsehen alles sehr dankbar aufnehmen. Jedes kleine Urban-Gardening-Projekt wird gefeiert. Die mediale Aufmerksamkeit, die solche Projekte bekommen, liegt wohl oft weit über ihrer tatsächlichen Wirksamkeit.
DH In der Begegnung mit Menschen erlebe ich immer die Sehnsucht nach Gemeinschaft. Da ist das Gefühl, nicht mehr zu wissen, wie »mitein­ander leben« funktioniert. Es gibt aber immer mehr Menschen, die sagen: »Hey, ich will das lernen!«
GM Das Spannende an der Transition-Town-Bewegung ist, dass Leute kommen, weil sie gesellschaftlichen Wandel bewirken wollen. Das Thema »Gemeinschaft« holt sie dann früher oder später ein. Es ist den Menschen häufig nicht klar, dass parallel zum Transition-Projekt auch eine Entwicklung läuft, die sich Gemeinschaftsbildung nennt. Manchmal gelingt der Zugang mühelos, aber manchmal entwickeln sich auch Aversionen gegen eine bestimmte Art von Sprache oder Methoden. Dann heißt es: »Ach du liebe Zeit, jetzt auch noch dieses Gemeinschaftsgedöns!«
SE Die Menschen brauchen Zeit. Ich sage ja auch nicht, dass Gemeinschaft per se die Lösung ist. Aber wenn ich mich mit gesellschaftlichem Wandel beschäftige, komme ich immer wieder auf den Punkt: Gemeinschaftliches Handeln bringt ökologische Vorteile. Das heißt noch lange nicht, dass ich mit anderen zusammen wohnen muss. Das Spannende an Gemeinschaft ist die Pluralität – die vielen möglichen Formen.
DR Ob beim Thema »Gemeinschaft« Aversionen entstehen, hängt, denke ich, davon ab, wie die Geschichten darüber erzählt werden. Das ist beim Klimawandel auch ein großes Thema. Wie negativ ist der Ansatz? Wie kommuniziert man? Wie trägt man das Thema an ein breiteres Publikum heran?
DH Ich sehe eine neue Erzählung von Gemeinschaft kommen, die einladend ist, die bunt ist, die spannend sein kann, die freudig sein kann – eine offenere Form von Gemeinschaft, in der Konflikte zu einem freudigen Ereignis werden können. In diesem Sinn würde ich mich freuen, wenn die sozialen Bewegungen Gemeinschaft neu kreieren. Sowohl dort als auch in der Szene der Lebensgemeinschaften wird sich etwas verändern. Liegt das nicht in der Luft?
GM Ja, das ist in der Luft! Ich überlege immer, wie wir in jedem Stadtteil Bewegungen in Gang setzen können, die sich von Haustür zu Haustür ausbreiten, ganz direkt. Es reicht nicht aus, nur zu sagen »Gemeinschaft ist toll, wir machen das!«, sondern wir brauchen Menschen, die übersetzen, was das bedeutet, die Prozesse moderieren können. Ich glaube, es gibt noch nicht genügend Bewusstsein dafür, dass solche Begleiter wichtig sind. Viele sind überfordert damit, alles alleine herauszufinden.
DR Das ist eine Erkenntnis aus der Transition-Forschung: Wir brauchen Mittelsleute, um diese Prozesse zu begleiten und auch das Wissen darüber zu sammeln, wann etwas gut funktioniert. Da könnte die Forschung einen Beitrag leisten.
GM Mir kommt gerade ein schönes Wort in den Sinn: der »Gemeinschaftsprofi«. Jemand, die oder der lange in Gemeinschaft gelebt hat und mit Fug und Recht behaupten könnte, Profi in Sachen Gemeinschaft zu sein. Das wäre für mich eine Vision von einem Beruf, der deutlich macht, dass dieses Feld Erfahrung erfordert und mit Lernen und Vermittlung zu tun hat.
SE Was können Transition-Initiativen im sozialen Bereich von den Lebensgemeinschaften lernen?
DH Bei Menschen aus Gemeinschaften erlebe ich oft, dass sie eine zielführende Klarheit darüber haben, welche Irrwege sie nicht mehr gehen – zum Beispiel sich nicht in Diskussionen verzetteln. Sie sprechen anders miteinander als Gruppen ohne Gemeinschaftserfahrung – wo sich die Leute oft stundenlang ausbreiten oder nicht zuhören und jeder nur sein eigenes Thema verfolgt. Wenn ich mir etwa vorstelle, der Klimarat der Stadt Bonn beschlösse, den sozialen Wandel in allen Stadtteilen voranzutreiben – wie würden sich dann Menschen finden, die diese gemeinschaftlichen Prozesse moderieren könnten?
DR Wichtig ist immer das Wissen dar­über, wie das Miteinander intern in einer Gruppe funktioniert, wie eine Gruppe nach außen wirken kann und unter welchen Bedingungen sie besonders gut gedeiht. Ich glaube: Diese Fragen mitzugestalten – das wäre die Funktion von so einem »Gemeinschaftsprofi«. Das sind auch die Fragen, die wir in unserem Forschungsprojekt genau unter die Lupe nehmen werden.
DH Bei dieser Forschung habe ich eine Sorge: Es lässt sich zwar feststellen, dass Gemeinschaften weniger Umwelt verbrauchen, aber warum das so ist, hat nicht nur mit der gemeinschaftlichen Organisation, sondern mit dem ganzen Lebensstil der Menschen zu tun – mit Verbindung, mit Selbstversorgung, mit Erziehung, mit ökonomischen Aspekten. Das ist eine Kultur! Meine Frage ist: Schafft ihr das, diesen größeren Blick auf diese Kultur zu werfen?
DR Deine Frage kann ich vielleicht in drei Jahren beantworten, wenn das Forschungsprojekt abgeschlossen ist. Aber es ist zumindest mit dem Potenzial angelegt, diesen Rundumblick zu leisten. Wir erforschen verschiedene »Schalen« oder »Schichten« – Klimawandel und Reduktion der Treibhausgase gehören zu den Kernen, die wir betrachten werden. Darüber hinaus geht es um eine mehrgliedrige Bewertung: Was leisten die Initiativen sozial, ökonomisch, kulturell? Und es gibt es eine weitere äußere Schale, wo wir die Frage stellen: Wann funktionieren diese Initiativen gut in ihrer internen Dynamik, und wann funktionieren sie gut von den äußeren Umständen her? Da kann dieses Forschungsprojekt womöglich ein umfassendes Bild zeichnen, denn wir haben Partner in Finnland, Italien, Spanien, in Großbritannien und in Rumänien, die mit den gleichen Methoden auf solche Initiativen schauen.
GM Für mich stellt sich die Frage: Was ist Erfolg? Wir können ihn in CO2-Äquivalenten und in Ernährungs- oder Mobilitäts­werten messen. Ich wünsche mir Offenheit für das, was Erfolg darüber hinaus noch sein kann – zum Beispiel, dass Menschen überhaupt ins Handeln kommen.
DH Dass Entwicklungen in Gang gesetzt werden, ist eine Sache. Was die Menschen dabei erleben, wäre aber auch interessant. Ob eine gemeinschaftliche Qualität spürbar wird – nicht nur, weil sie vom ökologischen Standpunkt aus nützlich ist, sondern weil sie Vertrauen oder Freude aneinander entstehen lässt. Geht es nicht letztlich darum, dass Menschen ihre eigene Lebensqualität ebenso finden wie ihre Resi­lienz, das heißt ihre seelische Widerstandskraft und ihre praktische Wirksamkeit?
GM Ein paar Werkzeuge gibt es ja schon, mit denen Gruppen die Qualität ihrer Arbeit evaluieren können. Es gibt zum Beispiel ein einfaches Modell, das die Elemente der Transition-Bewegung abbildet, das »Transition-Tier«. Es hat einen Kopf, einen Schwanz und vier Beine. Zum Leben braucht das Tier alle diese Körperteile. Der Kopf ist die Vision, der Schwanz dient dem Evaluieren und Feiern, das eine Bein sind die praktischen Projekte, das zweite das Netzwerken nach außen, das dritte die Bewusstseinsarbeit in Form von Veranstaltungen und Aktionen und das vierte die Arbeitsweise der Gruppe. Zu jedem Bereich gibt es gezielte Fragen, zum Beispiel: Habe ich das Gefühl, dass ich anerkannt werde? Habe ich ein Bewusstsein für andere? Das britische Transition-Forschungs-Netzwerk und die Universität Oxford forschen gerade, wie sich solche Evaluationsmethoden für die Praxis weiterentwickeln lassen.
DH Kürzlich hast du Menschen in Initiativen nach ihren Bedürfnissen befragt: Sie wollen eine Anschubhilfe, Vernetzung auf einer Ebene von stärkenden Erfahrungen, dann wünschen sie sich Geld und Zeit sowie Werkzeuge für Öffentlichkeitsarbeit und innere Bewusstseinsentwicklung. Das sind Bedürfnisse, die jede soziale Bewegung hat. Ihr ständiger Mangel ist die Nichtprofessionalität – keine Zeit, alles ehrenamtlich, Burnout, Schwierigkeiten, Überforderung …
GM Ja, häufig ist es so. Die Menschen leben ihr Leben, und irgendwann abends kommen sie in der Transition-Gruppe zusammen. Mein Wunsch ist, dass man aus diesem »Abends werden wir mal aktiv!« ans Tageslicht kommt.
SE Da fällt mir der Begriff der »Real-­Labore« ein, der in der Nachhaltigkeits-Forschung für Orte oder Projekte, die gezielt Veränderung anstoßen sollen, verwendet wird. Als Gemeinschaften können wir dazu etwas beitragen, denn für uns ist Engagement keine Feierabendsache, sondern gelebter Alltag. Es ist für uns selbstverständlich, die Autos zu teilen, uns überwiegend regional zu ernähren oder etwas beim Nachbarn zu leihen, statt es zu kaufen.
DR Dieter, du hattest ja vorhin Bedenken darüber geäußert, dass vor allem naturwissenschaftliche oder technische Werkzeuge in unserem Forschungsprojekt zum Einsatz kommen. Eine der großen Stärken ist aber, dass wir Natur- und Sozialwissenschaftler zusammenbringen. In Interviews mit den Akteuren kommen dann genau solche Verhaltensweisen zutage.
DH Das alleine genügt nicht. Die neue Praxis findet zwar in gemeinschaftlichen Projekten statt. Aber die Menschen haben kaum Freiraum, um ihre Erfahrungen selbst zu verarbeiten, sie mit den Wissenschaftlern gemeinsam zu reflektieren und für die allgemeine Praxis zugänglich zu machen.
DR Die Problematik ist mir bewusst. Auch in der Forschungsförderungspolitik gibt es noch Lernbedarf – zu erkennen, dass man in diesen Bereichen zusätzliche Gelder braucht. Es gibt ein großes Forschungsprojekt, das heißt »Zukunft Erde – ­Future Earth«, in dem sich die großen internationalen Forschungsnetzwerke für Nachhaltigkeit vereinigt haben. Co-Design und Co-Produktion der Forschung mit den Akteuren steht in ihren Dokumenten. Ich will da eine Einladung aussprechen, vielleicht gemeinsam nochmals nach Fördermöglichkeiten zu suchen. Wenn das ernstgemeint ist, dann gibt es da große Chancen …
SE … und auch spannende Anknüpfungspunkte mit der internationalen Gemeinschaftsbewegung. Da gibt es auch Forschungszusammenschlüsse wie das Projekt »Gaia Education« oder »Gaia University«. Es gibt Austausch auf globaler Ebene über das »Global Ecovillage Network« (GEN), wo wir als Gemeinschaften realisieren, dass wir auch untereinander viel voneinander lernen können – Süd–Süd, Nord–Nord, Nord–Süd. Weltweit nehmen immer mehr Menschen an einem Kurs in »Ecovillage Design Education« teil, in dem einen Monat lang Gemeinschaftswissen weitergegeben wird. Es wäre für alle befruchtend, zu erkennen, dass dort Wissen schlummert, das wir gemeinsam heben können.
GM Wir haben jetzt zweimal am Thema »Qualität« gearbeitet – was macht Qualität in der Gemeinschaft aus? Was macht Qualität in der Forschung aus? Beides ist Neuland. Woran bemesse ich die Qualität eines Forschungsprojekts? Wenn ich die Erfahrung der Praxispartner zu gemeinschaftlicher Qualität einbeziehe, komme ich vermutlich zu ganz neuen Kriterien.
DM Und woran scheitern sie? Auch die Grenzen bisheriger Gemeinschaften und ihre Schwachpunkte sind doch interessant. Eine weitere Frage: Wie groß ist das gemeinschaftliche Potenzial der Gesellschaft?
GM Ein schönes Beispiel dafür ist das Projekt »Transition Streets« oder »Transition zu Hause«. Da können sich Nachbarn zusammenschließen und gemeinsam ein kleines Programm durcharbeiten. Im ersten Teil davon – das finde ich besonders sympathisch – geht es nur um die Frage: Wie arbeiten wir zusammen? Vor dem ersten großen Projekt mit 500 Haushalten in Großbritannien hat auch eine Evaluation stattgefunden. Die haben einerseits ihren Energieverbrauch reduziert, aber der Nebeneffekt war, dass sich herausstellte: Hey, wir hatten Spaß! Die Evaluation einer Gesundheitswissenschaftlerin hat sogar gezeigt: Auch die Gesundheitsindikatoren haben sich verbessert.
DH Und inwieweit sind die sozialen Fragen eines solchen Quartiers Bestandteil dieser Prozesse? Wie geht es da den alten Menschen oder den Alleinstehenden?
GM Mein Traum ist, dass wir in jedem Stadtteil ein Quartierbüro haben, verbunden mit einem Transition-Café. Dort geht es los. Vorher bräuchten wir alle eine Woche Zeit, um nachzudenken (lacht) … bundesweit – eine Nachdenkwoche!
DH Ja, Zeit zum Nachdenken ist in der westlichen Welt ein knappes Gut. Du, Steffen, warst auf der GEN-Konferenz in Afrika. Stellen sich dort andere Fragen für die Gemeinschaftsbewegung?
SE Mich hat überrascht, wie stark dort das Bewusstsein von Gemeinschaft bis in Regierungsebenen hinein entwickelt ist. Im Senegal gibt es eine dem Umweltministerium unterstellte Behörde für Ökodörfer, die von den 28 000 Dorfstrukturen die Hälfte zu Ökodörfern umwandeln soll. Dieser Impuls kommt nicht aus dem Westen. Es gibt zum Beispiel eine »Bibliothek der Lösungen« von GEN (www.solution.ecovillage.org), und die ersten, die damit angefangen haben, waren muslimische Frauen aus Nordafrika, der Türkei und Palästina, die ihr Wissen zur Verfügung gestellt haben. Sie zeigen damit: Wir wollen nicht nur von westlichen Gemeinschaftsberatern lernen, wir haben selbst Antworten auf soziale, kulturelle und ökonomische Fragen.
In der Forschung und auch in unseren Initiativen müsste viel mehr Bereitschaft wachsen, vom globalen Süden zu lernen.
DH Das ist ein schönes Schlusswort – lassen wir den Gemeinschaftskreis weiter wachsen! Ich glaube fest an die Kraft, die Gemeinschaft weltweit, gerade auch in anderen Kulturen, hat. Danke für unseren vielfältigen Gemeinschaftskreis hier! •

 

Gesa Maschkowski (48) arbeitet seit 20 Jahren als Journalistin, Dozentin und Moderatorin im Bereich Ernährungs- und Nachhaltigkeitsbildung. Sie forscht an der Universität Bonn über Graswurzelinitiativen und bloggt zur Transition-Forschung.
www.transition-initiativen.de/group/transition-forschung

Steffen Emrich (42) lebt seit 25 Jahren in Hausprojekten und Wohngemeinschaften und seit vier Jahren in der Lebensgemeinschaft »gASTWERKe«. Er arbeitet als selbständiger Berater, Trainer und Moderator in der Entwicklungszusammenarbeit.
www.gastwerke.de
www.procorde.net
www.gen-europe.org

Dominik Reusser (38) ist Wissenschaftler für Nachhaltigkeit und Mensch-Umwelt-Systeme am Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung. Ihn beschäftigt die Frage, wie wir gemeinsam besser für unsere Umwelt und die Erde sorgen können.
www.pik-potsdam.de/members/reusser

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